Weideobmann Pöhacker appelliert mit deutlichen Worten in Richtung Politik und Standesvertretung. „Hitze ist wie Hochwasser zu bewerten. Dennoch haben wir bisher weder aus dem Katastrophenfonds noch von der Dürreversicherung auch nur einen Cent bekommen. Da wird vieles schön geredet, während wir Landwirte auf der Strecke bleiben. Wenn es so weitergeht, dann sehe ich für unsere Zukunft schwarz. Wir brauchen jetzt gezielte und rasche Hilfsmaßnahmen – kein Gießkannenprinzip“, übt Pöhacker beim Almwandertag auch ungewohnt heftige Kritik.
Forderung nach rascher Hilfe
Kritik, die die Standesvertreter ernst nehmen wollen, wie NÖ-Landwirtschaftskammerpräsident Hannes Schmuckenschlager und sein designierter Nachfolger Lorenz Mayr betonen: „Wir wollen keine Geschenke, aber es geht um Maßnahmen, die sicherstellen, dass unsere Betriebe weiterproduzieren können, ihre Tiere durchbringen und so auch unseren Versorgungsauftrag sicherstellen können“, sagt Schmuckenschlager.
- Eine sicher Lebensmittelversorgung unserer Bevölkerung im Land sollte das Interesse der Politiker ALLER Parteien sein!
Denn anders als andere Wirtschaftszweige könne der Landwirt seinen Betrieb nicht woanders hintragen und neu starten. „Unsere Landwirte sind mit der unmittelbaren Umgebung stark verbunden. Damit sind die Bedürfnisse oft auch unterschiedlich. Aber als Standesvertretung müssen wir trotz allem das gesamte Bild sehen und dürfen uns nicht auseinanderdividieren lassen“, betont Schmuckenschlager.Ihre Unterstützung auf Regierungsebene für rasche Hilfe für die Landwirte sichert auch Verteidigungsministerin Klaudia Tanner zu: „Die heimischen Almen und Weiden prägen nicht nur maßgeblich das Bild unserer schönen Heimat, sondern bewahren auch ein Stück österreichischer Identität und Tradition. Diese Leistung verdient Wertschätzung und Respekt.“
Eine Forderung gibt Landesobmann Mayerhofer den Politikern noch mit auf den Weg: „Wir brauchen eine Lockerung von gewissen Programmen, ohne ÖPUL-Gelder zu verlieren. Sei es die Ernte von Zwischenfrüchten oder der Schnitt von Biodiversitätsflächen“, sagt Mayerhofer, ehe er gemeinsam mit Klaudia Tanner, Hannes Schmuckenschlager und Bundesobmann Josef Obweger die Ehrungen langjähriger Almwirtschaftsvereinsfunktionäre vornimmt.
Die Festmesse von Pfarrer Hans Wurzer aus Opponitz vor der von der Weidegenossenschaft renovierten Kapleralm-Kapelle ist einmal mehr ein Höhepunkt des NÖ Almwandertages. Wurzer zelebriert die Messe erneut in Reimform und Mundart. Musikalisch gestalten diese ein Bläserensemble des Musikvereins und der Reinsberger Chor „inwendig woarm“ unter der Gesamtleitung von Daniela Faschingleitner.
Danach klingt der Almwandertag beim Kapler Almhaus mit einem Frühschoppen mit dem Musikverein Reinsberg unter Leitung von Kapellmeister Andreas Prüller sowie einem Auftritt der Erlauftaler Hoderlumpn aus. Besonders lobenswert: Bei der Organisation und der Verpflegung der vielen Gäste halfen sämtliche Reinsberger Vereine zusammen.
Unter den zahlreichen Ehrengästen beim 76. NÖ Almwandertag waren unter anderem auch Landwirtschaftskammer-Vizepräsidentin Andrea Wagner, Bauernbund-Präsident Georg Strasser, Bezirksbauernkammerobmann Franz Rafetzeder, Bezirkshauptmann Johann Seper, Reinsbergs Bürgermeister Reinhard Nosofsky und Raiffeisenbank Mittleres Mostviertel-Obmann Leopold Gruber-Doberer. Der große Abwesende beim heurigen Almwandertag war LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf. Der war im Krisenstabeinsatz beim Waldbrand im Bezirk Wiener Neustadt.