Ein Lichtstrahl in der Hast des Advent

Veröffentlichungsdatum09.12.2025Lesedauer2 MinutenKategorienGemeindenews
Eine Person, die eine Kerze und ein Stück Papier hält
Der Advent, eine Zeit der Erwartung und Vorbereitung, wird oft von einer kaum zu bändigenden Betriebsamkeit überlagert.
Zwischen Weihnachtsmärkten, Geschenke-Shopping und Terminhatz droht die eigentliche Tiefe dieser Wochen verloren zu gehen. Hier, in der morgendlichen Dunkelheit, setzt die Roratemesse einen spirituellen Kontext.


Sie ist eine geistliche "Frühschicht", ein Moment des Innehaltens, der den Kern des Advents in seiner reinsten Form bewahrt.
Das prägendste Element der Roratemesse ist die Lichtsymbolik. Sie wird traditionell vor Sonnenaufgang und oft nur im Kerzenschein gefeiert.
In der dunklen Kirche wird die Abwesenheit des elektrischen Lichts zum mächtigen Symbol.


Die Dunkelheit repräsentiert die Welt vor der Ankunft Christi und die eigene innere Leere, die nach Erfüllung sucht.
Der Kerzenschein verweist direkt auf Jesus Christus, das kommende Licht der Welt, die Sonne der Gerechtigkeit.


Das zarte Flackern der Kerzen inmitten der tiefen Stille des frühen Morgens schafft eine unvergleichliche, fast mystische Atmosphäre. Es ist eine Einladung, die äußere Betriebsamkeit abzulegen und sich auf das Wesentliche zu besinnen: das leise, aber unaufhaltsame Kommen Gottes.
Gerade im hektischen Alltag vieler Menschen ist das frühe Aufstehen für die Roratemesse ein bewusster Akt der Prioritätensetzung. Wer vor der Arbeit oder dem Schulbeginn in die dunkle Kirche kommt, entzieht sich aktiv dem Konsumrausch und der vorweihnachtlichen Hektik. Es ist eine Unterbrechung im besten Sinne, die nicht schwächt, sondern kräftigt.


Die Roratemesse ist somit weit mehr als ein alter Brauch. Sie ist eine spirituelle Oase, die uns lehrt, die Ankunft des Herrn in der Stille und im Dunkel zu erwarten, getragen von der Verheißung, dass das Licht immer stärker ist als die Nacht. 
Sie bietet den tiefen Grund, warum wir im Advent warten: Nicht, um Geschenke zu finden, sondern um "das Heil" zu empfangen.

Eine Kirche mit persönlichen Menschen in Bänken

Gedanken von Herbert Wesely, Fotos von Leo Baumberger - Pfarrkirche St.Oswald